So nah am Leben
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"So nah am Leben - Die Faszination des Jakobsweges"

Dem Alltag entfliehen, einmal alles hinter sich lassen und nur auf sich selbst besinnen. Wer würde davon nicht träumen? Bei einer Pilgertour von achthundert Kilometern auf dem Jakobsweg verwirklichte sich die Protagonistin, Samantha, diesen Wunsch. Ihre Erfahrung und meine Erlebnisse (2006) auf dem selben
Weg verbinden sich und beschreiben die tiefen Gefühle und die spirituelle Atmosphäre auf dieser Strecke. Reflexionen über Begriffe wie Glück, Denken, Liebe, Verstand und Träume, aber auch über Krankheit, Ängste und Sucht geben dem Buch Nachhaltigkeit. Das Leben aus dem Rucksack, der nur das Nötigste enthält, stärkt das Bewusstsein für die Natur und die Einfachheit.

Die in diesem Buch beschriebenen Erfahrungen können hilfreich für alle sein, die sich auch auf den Weg machen wollen. Gleichzeitig ist das Buch eine Anregung, über das Leben in seiner Vielfalt und Schönheit und die reiche Gefühlswelt tiefer nachzudenken.

Salon-Lesung

Eröffnen Sie für einen Abend Ihren eigenen „Literatur- und Philosophie-Salon“. Wenn Sie für eine besondere Gelegenheit etwas Besonderes bieten möchten, dann laden Sie Ihre Freunde oder Geschäftspartner in Ihre private, gemütliche Umgebung ein und verbringen Sie unvergessliche Stunden mit Literatur und Philosophie. Knüpfen Sie an eine alte Tradition an, die zu unrecht in Vergessenheit geraten ist. Schenken Sie Ihren Gästen einen kulturellen und genussvollen Abend.
In diesem Roman "So nah am Leben - Die Faszination des Jakobsweges" gibt es dreiunddreißig lebensphilosophische Aspekte. Als Gastgeberin entscheiden Sie das Thema des Abends. Nach einer Lesung stehe ich Ihnen und Ihren Gästen für eine weiterführende philosophische Unterhaltung über das gewählte Thema zur Verfügung.

Leseprobe

Gegen Abend erreicht sie Villamayor de Monjardín. Das winzige Dorf liegt auf der Bergkuppe. Mit einem einzigen Blick kann sie die wenigen Häuser überschauen und ihr wird sehr schnell klar, dass es hier nur zwei Herbergen gibt – kein Hostal! Sie kann zwischen einer holländischen und einer deutschen Herberge wählen. Was für eine Auswahl! Um jetzt noch einmal loszugehen und sich einen anderen Ort auszuwählen, ist es zum einen viel zu spät, zum anderen sind ihre Füße nahezu dreißig Kilometer gelaufen – die wollen keinen Kilometer mehr weiterlaufen.
Samantha steckt ihren Kopf in die Tür der deutschen Herberge. Ihre Augen treffen auf einen großen wackligen Küchentisch in der Mitte des Eingangsraumes und ein paar Stühlen ringsherum. An einem kleinen Schreibtisch in der Ecke sitzt ein Mann in den besten Jahren, braungebrannt und offensichtlich in bester Stimmung. Er stellt sich mit Bodo vor und winkt sie mit einer Kopfbewegung zu sich herüber. Er sieht ihr die Verwirrung an und sie erklärt ihm, dass sie eigentlich nicht auf eine Herberge eingerichtet sei. Ihr fehle alles Notwendige. Während er ihr sehr freundlich versichert, dass es in diesem winzigen Dorf gar nichts anderes gibt und welche Gründe ihn dazu veranlasst haben, hier für vier Wochen den Herbergsvater zu spielen, wandert ihr Blick durch den Raum.
Es sieht alles sehr provisorisch aus. Es gibt eine Art Küche, wenn man durch diese Bezeichnung nicht alle anderen Küchen beleidigt. Ein paar Teller stehen in einem nicht sehr vertrauenerweckenden Regal und einige Becher stehen über Kopf auf einer Nirosta-Spüle, die ganz offensichtlich ihre beste Zeit bereits hinter sich hat.

Ihre Augen tasten sich weiter, während sie Bodo sagen hört, dass dieses Gebäude von einem Bauern der Gegend gestiftet worden sei. Es wurde umgebaut und zur Herberge ausgestattet. Strom und Wasser würde der Bauer sogar noch übernehmen. Während dieser Worte ist ihr Blick zu einer Art Verschlag im angrenzenden Raum weitergewandert. Die eingezogenen Wände haben ungefähr zwei Meter Höhe, aber keine Decke. Noch während ihre Augen an diesen Verschlägen hängen, beobachtet Bodo sie und kommentiert ihre Entdeckung damit, dass dies die Toiletten und Duschen seien.
Er verspricht ihr einen Schlafsack, und noch ehe sie sich entscheiden kann, hat sie sich in das Herbergsbuch eingetragen, den versprochenen Schlafsack unterm Arm (den jemand zurückgelassen hat, weil er ausgedient hat), und ist auf dem Weg zum angrenzenden Schlafsaal. Wenn sie der Zustand der Duschen und Toiletten schon unruhig werden lies, so hat sie jetzt wirklich Anlass zur Unruhe.
Sie betritt einen Raum von ungefähr acht mal acht Metern. Er hat keine Fenster, dafür aber ein riesiges eingebautes Podest, auf dem schmale Matratzen liegen. Dicht an dicht, ohne Sicherheitszone dazwischen, ziehen sie sich in U-Form an den Wänden entlang. In der Schnelle zählt sie ungefähr sechsundzwanzig Schlafplätze, und es gibt noch einen einzigen freien. Mittendrin!
Gedanken des heutigen Tages kommen wieder hoch. Demut, Dankbarkeit, Reduzierung der eigenen Vorstellungen ... also gut, dann wird sie also diesen freien Platz belegen und hinnehmen, was da kommen mag. Sie legt den Schlafsack auf die Matratze und platziert ihren Rucksack davor.
Dann wirft sie einen Blick auf die Dusche, oder besser sie möchte gern einen Blick darauf werfen. Keine Chance, die Schlange der duschwilligen, wartenden Pilger reicht inzwischen bis an den wackeligen Küchentisch im Eingangsraum. Da stehen sie, mit ihrem Handtuch über der Schulter, dem Duschgel in der Hand, locker plaudernd über die Ereignisse des Tages. Und sie, sie merkt, welchen Luxus sie sich gönnt, Tag für Tag, mit eigener Dusche und eigenem Klo. Das macht ihr die Entscheidung leicht, heute wird nicht geduscht, Katzenwäsche reicht – irgendwann. Sie tritt wieder vor die Herbergstür und sieht die Kirche, die den kleinen Ort an erhabener Stelle überragt. Eine hohe Natursteinmauer umgibt den Kirchplatz und einen kleinen Garten. Als sie ihn betritt, sieht sie Maria in einem Gespräch vertieft. Sie freut sich, sie hier zu sehen. Im Kirchgarten sind Leinen aufgespannt, die andere Pilger eifrig mit gewaschener Wäsche schmücken. Hier wird das Sakrale mit dem Praktischen verbunden. Sie befinden sich auf dem Pilgerweg.
Bodo hat ihr beim Herausgehen noch zugerufen, dass um sieben eine Messe für die Dorfgemeinschaft gehalten und den Pilgern der Segen für den Weg erteilt wird. Der Nonnenchor sei ein Erlebnis, sie solle es nicht versäumen.
Er hat recht. Samantha sitzt in dem winzigen Innenraum der Kirche. Die Gemeinde besteht aus ungefähr sieben sehr, sehr alten Menschen und einer Handvoll Nonnen. Und dann setzen die Nonnen zum Gesang an. Bereits nach den ersten Tönen haben sie sie völlig in ihren Bann gezogen. Samantha vergisst alles um sich herum und nimmt nur noch ihre Gefühle, ihre Gänsehaut und den Gesang der Nonnen wahr.
Kraftvolle Stimmen schwingen ihr entgegen, klar und wunderschön. Die Stimme der Götter ist der Klang, denkt sie, und diese Nonnen vermitteln sie ihr – sie kann die Götter singen hören.